Der Swimming-Pool

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Ich betupfte mein Gesicht mit Aftershave. Schliesslich roch ich wie die Belegschaft einer kleinen Bankfiliale, fehlte bloss noch ein smartes Lächeln und manikürte Fingernägel. Aber schliesslich soll man es auch nicht übertreiben. Ich wollte mich ja nicht als Schalterbeamter bewerben, sondern bloss einem dieser schmierigen Anwälte meine Aufwartung machen. Er hatte sein Büro an einer der besseren Adressen der Stadt. Sein Auftreten war jovial und seine Augen waren wachsam. Ein typischer Vertreter jener Sorte, die abends im Zivilgesetzbuch lasen und die Gesetzeslücken besser kannten als ihre eigenen Zahnlücken.

- Ich hätte da eine Aufgabe für Sie, Maloney.
- Soll ich einem ihrer Klienten ein Alibi besorgen? Kein Problem. Ich hab in meinem Büro eine ganze Schublade voll Alibis. Was darfs denn sein? Ein stichhaltiges oder ein dehnbares?
- Nichts dergleichen. Es geht um eine Scheidungssache.
- Muss denn das sein?
- Sie müssen den Auftrag nicht annehmen, wenn Sie nicht wollen. Allerdings würde Ihnen dann auch eine Erfolgsbeteiligung durch die Lappen gehen.
- Aha. Wieviel?
- Das hängt von ihrer Arbeit ab. Ich habe da eine Klientin, die glaubt, dass sie zu kurz kommt.
- Wer glaubt das nicht heutzutage?
- Sie vermutet, dass ihr Mann nicht alle seine Vermögenswerte angegeben hat.
- Und ich soll jetzt also in fremden Bankkonten herumschnüffeln?
- Es ist kaum anzunehmen, dass das Geld auf irgendeiner Bank liegt.
- Vielleicht liegt es unter der Matraze? Oder ist Teil einer Briefmarkensammlung?
- Möglich. Sind Sie an dem Fall interessiert?
- Sie haben vorhin etwas von einer Erfolgsbeteiligung gesagt...
- Zehn Prozent.
- Zehn Prozent von Nichts ist nicht viel. Genaugenommen kann ich mir davon nicht einmal einen Klienten mieten.
- Sie erhalten das übliche Honorar plus zehn Prozent von dem Geld das Sie finden.
- Wunderbar. Und wieviel Geld soll dieser Kerl unterm Kopfkissen haben?
- Meine Klientin glaubt, dass es mehrere Hunderttausend sind.
- Klingt nicht übel. Und wie heisst der teure Ehegatte?
- Ich erwarte von Ihnen äusserste Diskretion.

Ich versprach ihm alles an Diskretion, was ich ihm bieten konnte. Er gab mir Name und Adresse des Mannes. Dann verschwand ich wieder und liess den übleren Teil meines After-Shaves bei dem Anwalt im Büro zurück. Ich duschte, ging in ein Elektronikgeschäft und kaufte mir einen Taschenrechner. Schliesslich wollte ich gewappnet sein, wenn es darum ging, meine Prozente zu berechnen. Das Haus in dem Christian Mohr wohnte, liess meine Kreditkarte vor Scham rot werden. Unsereins konnte sich so etwas nicht mal in den Träumen leisten. Ich klingelte und wartete.

- Hat keinen Sinn. Da öffnet niemand.
- Nanu? Wer sind denn Sie? Etwa eine Volkszählerin auf Abwegen?
- Soll das eine Beleidigung sein?
- Nein,nein. Ich dachte bloss, dass Sie aussehen wie eine Frau, auf die man zählen kann.
- Und Sie? Sie sehen nicht aus wie ein Freund des Hauses?
- Naja, auch ein Haus kann sich seine Freunde nicht immer aussuchen. Aber eigentlich wollte ich bloss mal mit dem Hausherren sprechen. Habe gehört, dass er Geld anlegen möchte. Ich hätte ihm da ein gutes Angebot zu unterbreiten.
- Da werden Sie aber einen schweren stand haben. Herr Mohr ist sehr konservativ wenns um Geld geht.
- Aha. Also doch unter der Matraze.
- Wie bitte?
- Ist nicht weiter schlimm. Und jetzt zu Ihnen, was für Geschäfte lassen Sie bei bitterer Kälte hier verharren?
- Sie werden es nicht glauben: Swimmings-Pools.
- Was denn? Mitten im Winter?
- Ja. Also ich schau mir mal schnell den Garten an hinter dem Haus. Dort soll der Pool gebaut werden.
- Aha. Und Sie sollen ihm das Ding hinstellen?
- Genau. Haben Sie sonst noch eine Frage?
- Ja, eine ganze Menge. Ich wollte zum Beispiel schon immer mal wissen, weshalb bei den Klimakonferenzen so ein schlechtes Klima herrscht. Muss wohl am Wetter liegen.
- Unserer Branche kann die ganze Klimaverschiebung nur nützen. Im übrigen glaube ich nicht an all das Gerede. Oder sehen Sie hier irgendwo jemand, der das Klima verschiebt?

Sie zeigte mit den Händen in die Umgebung. Da war tatsächlich niemand zu sehen. Schliesslich ging sie um das Haus herum. Ich folgte ihr. Es war kein besonders grosser Garten. Gerade gross genug für einen Swimming-pool. Mitten drin stand ein kleiner Erdhügel und daneben ein Loch. Die Frau mass mit ihren Schritten die Länge des Grundstückes ab. Ich ging zu dem Erdloch. Das hätte ich besser nicht getan.

- Nanu? Was ist denn? Sie schauen ja beinahe so, als hätten sie soeben den Glauben an die Menschheit verloren.
- Ach wissen Sie, das wäre halb so schlimm. Aber in dem Erdloch liegen meine Zehn Prozent.
- Zehn Prozent? Aber... Das ist ja Herr Mohr! Ist er...
- Sieht ganz danach aus. Ich glaube nicht, dass Herr Mohr noch einen Swimming-pool benötigt.
- Entsetzlich. Und das bei dieser Kälte.
- Tja, Tote kümmern sich nicht mehr um solche Nebensächlichkeiten.
- Schade. Das Grundstück wäre ideal für einen Swimming-pool der Marke Lifestyle.

Ich sah mir den Toten etwas genauer an. Er sah ein wenig aus wie eine steifgefrorene alte Schlange. Alles war ein wenig verkrümmt. Sein Kopf war weit nach hinten gebogen, sein Genick hatte nicht mehr standgehalten. Neben ihm in dem etwa zwei Meter tiefen Erdloch lag eine Spitzhacke und eine Schaufel. Herr Mohr hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass er in seinem Garten sein eigenes Grab geschaufelt hatte. Es dauerte wieder einmal nicht lange, bis die Polizei da war. Die Swimming-Pool-Vertreterin gab brav zu Protokoll, was sie gesehen hatte. Ich wartete und fror und dachte ein wenig über Erfolgshonorare nach, und weshalb diese regelmässig im Leichenschauhaus landeten. Dann hatte der Polizist ein Erbarmen und fragte, was er schon immer wissen wollte.

- Hat wohl keinen Sinn Sie zu fragen, was Sie hier verloren haben Maloney?
- Genaugenommen habe ich hier tatsächlich nichts verloren. Einmal abgesehen von ein paar lächerlichen Minuten.
- Wie dem auch sei. Sieht ganz nach einem tragischen Unfall aus. Was ich allerdings nicht verstehe... Weshalb um alles in der Welt hat dieser Mohr in dem beton harten Boden ein Loch gegraben? Oder glauben Sie etwa an die Geschichte mit dem Swimming-Pool?
- Vielleicht war er einer dieser Fanatiker, die sich ständig neue Herausforderungen suchen. Löcher graben bei minus 5 Grad ist ein grösseres Erfolgserlebnis als zum Beispiel Löcher graben in einem Emmentalerkäse.
- Apropos Käse. Wussten Sie, dass die Mohrs in Scheidung leben? Das wäre immerhin ein Motiv.
- Was denn? Ein Motiv um sich im eigenen Garten das Genick zu brechen? Einmal davon abgesehen, Frauen machen so was nicht. Die schiessen gleich. Genickbrechen ist doch Männersache.
- Schon möglich. Ehrlich gesagt, ich bin davon überzeugt, dass das ein Unfall war. Ist vermutlich ausgerutscht. Soll ja vorkommen. Sehen Sie hier? Alles vereist.
Er schaute sich nachdenklich den Boden an. Ich ging in eine Bar und genehmigte mir einen Schluck. Dann rief ich den Rechtsanwalt an.
- Ja, tragisch, das Ganze. Selbstverständlich erhalten Sie ein angemessenes Honorar.
- Das will ich auch schwer hoffen. Hab mir mindestens einen Zehennagel abgefroren. Ich hoffe doch sehr, dass Frau Mohr ein Alibi hat für die fragliche Zeit?
- Ein Alibi? Glaubt die Polizei etwa, dass meine Klientin etwas mit dem Tod von Herrn Mohr zu tun hat?
- Nun, wenn die Polizei erfährt, dass Frau Mohr einen Privatdetektiven angeheuert hat, um ihr Bankkonto nach der Scheidung mit einigen Nullen zu versehen...
- Also erstens, habe ich Sie engagiert, Maloney. Und zum Zweiten hat Frau Mohr ein Alibi. Sie war nämlich seit gestern ununterbrochen bei mir.
- Bei Ihnen? Interessant. Sie lassen sich ihre Prozente also in Naturalien auszahlen?
- Um es klar zu stellen, Maloney. Der Fall ist für Sie erledigt. Sie erhalten ein Honorar, dass es Ihnen leicht machen wird, diese Angelegenheit zu vergessen.

Und mehr konnte unsereins nicht erwarten. Pech für den Anwalt, dass ich mich mit voller Brieftasche erst recht zu grossen Taten angespornt fühle. Und das bei der Sache etwas faul war, roch man selbst noch in der schmuddligen Bar aus der ich telephonierte. Und das wollte was heissen. Ich besuchte die Vertreterin für Swimming-Pools. Sie hiess Waser und wohnte zu meinem Erstaunen in einer richtigen Wohnung und nicht in einem aufblasbaren Pool.

- Schrecklich das alles. Herr Mohr hatte sich so darauf gefreut, endlich den Swimming-Pool bauen zu können.
- Im Frühling wäre das einfacher gewesen.
- Herr Mohr hatte jahrelang darauf gewartet. Seine Frau hatte verhindert, dass er den Pool bauen konnte. Sie wollte lieber Kräuter anpflanzen im Garten.
- Die beiden mochten sich wohl nicht mehr besonders gut?
- Das können Sie laut sagen. Herr Mohr war ja ein so angenehmer Mann. Und seine Frau? Die hatte doch bloss Geld im Kopf.
- Und Kräuter.
- Das war doch nur ein Vorwand. Sie hat die Kräuter ja kaum geerntet. Sie wollte ihrem Mann einfach eins auswischen und sie wusste, dass er so vernarrt war in den Gedanken einen eigenen Swimming-Pool zu besitzen.
- Kennen Sie den Anwalt von Frau Mohr?
- Anwalt ist gut. Die beiden haben schon seit längerem etwas zusammen. Wenn Sie mich fragen, war das kein Unfall.
- So was ähnliches habe ich auch schon gedacht. Woher wissen Sie eigentlich so gut Bescheid über die Mohrs?
- Meine Schwiegermutter war eine Weile lang bei den Mohrs angestellt und hat sich etwas um den Haushalt gekümmert.
- Verstehe. Könnten Sie sich vorstellen, dass Frau Mohr ihren Mann umgebracht hat?
- Wissen Sie: Man soll ja nichts schlechtes über andere Leute denken. Aber wenn Sie mich so direkt fragen: Der würde ich alles zutrauen.

Ich bedankte mich und ging wieder meines Weges. Und der führte mich erneut zum Haus des Verblichenen. Ich wollte gerade nach hinten in den Garten kurven, als meine Schritte durch die Stimme eines gewissen Anwalts blockiert wurden.

- He, Maloney! Was machen Sie hier?
- Gute Frage. Wenn Sie genau hinschauen werden Sie feststellen, dass ich die Kunst des parallelen Schlitt-schuhschrittes übe. Haut aber noch nicht so hin wie ich mir das vorgestellt habe.
- Ich habe Ihnen den Check per Einschreiben zukommen lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie einen Grund haben, hier weiter herumzuschnüffeln.
- Nun, die Vorstellungskraft von Anwälten ist in der Regel eher beschränkt. Aber Sie müssen das nicht persönlich nehmen. Jede Berufsgattung hat so ihre Schwächen.
- Wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich jetzt in den Garten gehen.
- Gehen Sie ruhig. Vermutlich ist da ihre Allerliebste schon mit Eispickel bewaffnet am Graben.
- Wie kommen Sie darauf?
- Wollen wir wetten? Ich setze mein After-Shave gegen ihre Krawatte.
- Sie können einem ganz schön den Nerv töten, Maloney.

Er gab sich mühe locker zu bleiben. Vermutlich hatte er sich gerade vor Augen geführt, welche Paragraphen dagegen sprachen, mir eins ans Schienbein zu treten. Ich liess ihn im Garten verschwinden. Es dauerte nicht mal zwei Minuten bis er wieder auftauchte.

- Schnell. Kommen Sie Maloney. Es ist etwas schreckliches passiert.
- Wieso? Hat eine Taube auf ihr Anwaltspatent gekackt?
- Keine Scherze, Maloney. Frau Mohr liegt tot im Garten.

Wir gingen gemeinsam in den Garten. Der Anwalt keuchte und zitterte. Ich versuchte nicht auszurutschen und tat es trotzdem einige Male. Nur Frau Mohr blieb ganz ruhig indem Loch, aus dem man vor ein paar Stunden schon ihren Mann entfernt hatte. Sie war mausetot. Langsam nahm das geheimnisvolle Loch schon die Dimensionen eines kleinen Bermuda-Dreiecks an. Der Anwalt hatte Tränen in den Augen. Ich konnte das gut nachfühlen. Schliesslich waren jetzt auch seine Prozente flöten gegangen. Es war noch kein Tag vergangen und schon wieder wurde jemand in dem Garten eingesargt. Frau Mohr hatte sich ebenfalls das Genick gebrochen. Offenbar waren gewisse Genicke den Anforderungen harter Gartenarbeit nicht mehr gewachsen. Der Anwalt erhielt eine Beruhigungspsritze. Nur mich liess man ohne Drogen ausfragen.

- Sagen Sie mal, Maloney, wie kommt es, dass Sie ständig hier sind, wenn wieder jemand in die Grube gefallen ist?
- Mein Urgrossvater war Grubenarbeiter. Vielleicht hab ich da einen gewissen Instinkt vererbt bekommen. Ich nehme an, dass Sie noch immer davon ausgehen, dass es sich hier um tragische Unglücksfälle handelt?
- Zugegeben; Hier scheint etwas faul zu sein. Andererseits: Wer hätte Interesse das Ehepaar Mohr ins Jenseits zu befördern? Glauben Sie, dass der Anwalt etwas mit der Sache zu tun hat?
- Der hat garantiert etwas mit der Sache zu tun. Aber Anwälte bringen ihre Klientinnen in der Regel erst um, wenn Sie sie geheiratet haben.
- Das ist einleuchtend.

Der Anwalt wurde nicht verhaftet, war aber so bestürzt über die verflossenen Prozente, dass man ihn kurzerhand aus dem Verkehr zog und in eine Klinik einwies. In meinem Büro tat sich auch nicht sonderlich viel, bis Frau Waser, die Frau aus dem Land der Swimming-Pools auftauchte.

- Tut mir leid.
- Was tut Ihnen leid? Haben Sie etwa der Familie Mohr das Genick gebrochen?
- Es tut mir leid, dass ich Frau Mohr verdächtigt habe.
- Woher wissen Sie eigentlich, dass Frau Mohr tot ist?
- Tot? Aber das kann doch nicht sein. Das verstehe ich nicht.
- Gleicher Ort, gleicher Mord. Reimt sich beinahe, nur dass bei der Geschichte noch allerlei Ungereimtheiten vorhanden sind.
- Ich wollte mich bloss entschuldigen, dass ich Frau Mohr verdächtigt habe. Ich verstehe das alles nicht.
- Wann haben die Mohrs das Haus eigentlich gebaut?
- Die haben das nicht selber gebaut, sondern an einer Auktion ersteigert. Der ehemalige Besitzer war in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
- Und wie hiess dieser ehemalige Besitzer?
- Keine Ahnung. Glauben Sie, dass er etwas mit den schrecklichen Morden zu tun hat?

Es war immerhin eine Möglichkeit. Ich bedankte mich bei Frau Waser und machte mich auf den Weg zum Grundbuchamt. Eine nette Dame war mir behilflich.

- Hier wird nicht geraucht.
- Aber ich bitte Sie, das inhalieren der Luft hier drinnen ist schädlich genug. Haben Sie was ich suche?
- Ja. Das nächste Mal könnten Sie sich vorher telefonisch anmelden.
- Ist ja wie beim Zahnarzt. Nur dass dort der Bohrer harmloser klingt als Sie.
- Hier. Günther Liebknecht.
- Sagten Sie Liebknecht?
- Ich wiederhole mich nicht gerne.
- Macht nichts. Kommt auch nicht viel gescheiteres dabei heraus.
- Kann ich Ihnen sonst noch behilflich sein?
- Ich hoffe es nicht.
- Gern geschehen.

Die öffentlichen Dienste haben es so an sich, dass sie niemand gerne in Anspruch nimmt. Ich machte mich auf den Weg und landete in einem anderen Gebäude, dass mit Steuergeldern vollgepflastert war.

- Tja Maloney, es spricht alles dafür, dass Herr und Frau Mohr eines natürlichen Todes starben. Fremdeinwirkung kann zwar nicht ganz ausgeschlossen werden, aber wir fanden keinerlei Spuren eines unbekannten Dritten.
- Wie wärs zur Abwechslung mit einem bekannten Dritten? Liebknecht.
- Liebknecht? Ist das einer dieser Maler?
- Falsch geraten. Kultur ist halt noch immer Glückssache. Gegen einen Mann namens Liebknecht wurde vor ein paar Jahren ermittelt, wenn ich mich nicht irre.
- Ach dieser Liebknecht. Fall ist abgeschlossen. Freispruch, wegen mangels an Beweisen. Mehr darf ich Ihnen leider nicht sagen Maloney.

Draussen begann es zu schneien. Ich tat, was ich in solchen Situationen immer tue: Fluchen. Dann ging ich wieder zum Haus der Mohrs. Als ich in den Garten stapfte, war ein Mann gerade dabei, das Erdloch wieder zuzuschütten.

- Ganz schön anstrengend, solche Gartenarbeiten.
- Wer sind Sie denn?
- Ich bin vom städtischen Gartenbauamt. Mir wurde gesagt, dass in diesem Garten unstatthafter Naturdünger verwendet wurde.
- Das geht mich nichts an. Das Haus gehört mir nicht.
- Nicht mehr. Ich weiss Herr Liebknecht. Aber der Naturdünger stammt noch von Ihnen. Sie haben das mit dem Recycling ein wenig allzu wörtlich genommen. Man kann doch nicht einfach seine Ehefrau kompostieren.
- Ich... Was fällt Ihnen ein... Es... Mein Herz...

Liebknecht fasste sich kräftig ans Herz, ehe dieses mit Schlagen aufhörte. Er fiel rückwärts in die Grube und blieb da eine Weile liegen. Die Leute von der Sanität kannten die Adresse schon auswendig. Später buddelten die Polizisten im harten Boden und fanden die Überreste von Frau Liebknecht, die angeblich vor ein paar Jahren bei einer Kreuzfahrt ins Meer fiel und seither verschollen war. Der Polizist kam diesmal widerwillig auf mich zu.

- Dieser Liebknecht, weshalb hat er die Mohrs ermordet? Weshalb erst jetzt?
- Ich vermute, dass Frau Mohr beim umgraben des Gartens auf die Überreste der Frau Liebknecht stiess. Geschäftstüchtig wie sie war, hat sie dieses Wissen genutzt, um Liebknecht zu erpressen. Gleichzeitig versprach sie ihm, dass sie verhindern würde, dass ihr Mann einen Swimming-pool baut.
- Hm. Beim Bau des Swimming-pools wäre die Leiche natürlich ausgegraben worden.
- Genau. Als Liebknecht hörte, dass sich die Mohrs scheiden liessen, wusste er, was es geschlagen hatte. Und prompt sah er Mohr beim Löcher graben.
- Und Frau Mohr ahnte natürlich, wer der Täter war. Und deshalb musste auch sie dran glauben. Übel, Maloney. Liebknecht hatte einen Infarkt. Glaube kaum dass er durchkommt.

Das war es dann auch schon. Liebknecht kam nicht durch und ich kam gerade wieder mal knapp am Kältetod vorbei. Von meinem Honorar kaufte ich mir eine Flasche Whisky und ein Wärmekissen. Den Rest legte ich in meinem Büro auf die hohe Kante neben der Tür. Schliesslich hat auch unsereins gelernt, mit Geld umzugehen.

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